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Samstag, Februar 14, 2009

Nadja war zu Besuch

Bei Schnurbärte sind bäh ist es in letzter Zeit nicht nur um Nadja etwas ruhiger geworden. Die Gründe dafür liegen weniger bei Nadja, sie sind produktiv wie eh und je (einige Splits (u.a. eine zweite mit Atavist), eine 7", verschiedene Reissues (u.a. eine Thaumogenesis/Thaumoradiance Doppel-CD) usw seit dem letzten Album Desire in Uneasiness), aber ich eben nicht. Über das Warum, Weshalb und Wieso Nicht breiten wir das Mäntelchen des Vergessens.

Zum Hören zu Hause kam dann endlich auch mal die Gelegenheit Nadja in Lebensgröße zu sehen - no pun intended. Am 21.01. spielten sie im Kölner Sonic Ballroom. Vollkommen überraschend war ich viel zu früh da, also pünktlich um 20 Uhr zum Einlassbeginn. Immerhin ließ das genug Zeit ein Bier zu trinken und mit dem momentanen Badewannenbuch weiter zu kommen (Paul Austers Die Erfindung der Einsamkeit). Der angenehm schreddrige Sonic Ballroom füllte sich zunächst langsam und kurz vor halb zehn dann ruckartig. Die Kölner scheinen da ein besseres Timing zu haben als wir vermeintlichen Landeier. Das Ergebnis war, daß Melanchoholics, die als Vorband auftraten vor einer rappelvollen Bude spielten. Den Leuten schien es wohl auch zu gefallen, mir nicht. Prätentiöses Ambient-Doom-Gedudel, das Nadja wohl nicht unähnlich sein sollte, aber leider weder Tiefe, Breite, Emotionalität, Kühle, Entfremdung, Schüchternheit noch Verhuschtheit oder irgendwas zu bieten hatte. Vielleicht hat mich auch einfach nur das Repertoire an Metal-Posen des Gitarristen und des Bassisten gestört. Na, seis drum. Von denen wird man entweder noch hören oder eben nicht. Nach angenehm kurzer Umbaupause, also etwa 10 Minuten später, fingen dann Nadja an zu spielen, da offensichtlich nicht wenige Leute, darauf schon keinen Bock mehr hatten, war der Laden beim ersten Song nur noch dreiviertel voll, nach dem zweiten Song und ca 20 Minten Spielzeit, war er dann nur noch gut zur Hälfte gefüllt. Menschen sind halt komisch. Entsprechend, dann auch die Ansage, daß Nadja jetzt noch einen Song spielen würden und dann wäre Schluß. Verwirrte Blicke, Enttäuschung, leises Murren. Knapp 45 Minuten später war dann nach einer kurzen Shoegazer-Pop-Zugabe Ende. Bis dahin ein gelungener Abend, außer daß der Bassist der Vorgruppe wohl komplett durch war und zwei Damen in einer Irrsinnslautstärke während des kompletten Nadja-Sets irgendwas zu erzählen hatte. Was wunderbar die sehr leisen Parts, die den Pol Ambient ausloteten, konterkarrierte. Er war ja nicht der einzige, der offensichtlich auf Konzerte geht, um sich mal ordentlich auszumären. Also, nochmals, seis drum.

Wenden wir uns nochmal den erfreulichen Aspekten des Abends zu. Zum einen hat Paul Auster meine momentane Gemütslage auf den ersten Seiten von Die Erfindung der Erinnerung (zweiter Teil in besagtem Die Erfindung der Einsamkeit) ganz gut skizziert - in Stichworten: Melancholie, Selbstmitleid, depressive Dissoziation - und zum anderen waren Nadja einfach super. Pop, als Shoegazer, scheint ein wenig mehr Gewicht zu bekommen, dafür weicht der Metal aus den Arrangements, was jetzt nicht das schlimmste ist. Obige Kriterien, die Melanchoholics komplett abgingen, werden bei Nadja im Vorbeigehen erfüllt. Zutiefst düstere Klangwelten werden mit einer Leichtigkeit vorgetragen, die einen trotz der depressiven Ästhetik mit einem debilen Grinsen nach Hause gehen lässt. Früher nannte man sowas wohl Katharsis, bei Musik wird das meistens für Harte-Jungs-Musik verwendet (Neurosis, Isis oder so Zeug, sicherlich nicht so schlimm wie der ganze NuMetal-Quatsch und bestimmt auch irgendwie tolle Musik, aber irgendwie zu wenig gebrochen). Den von Martin Büsser für Bohren und der Club of Gore ins Spiel gebrachte Begriff der Erhabenheit (vgl. intro-Review zu Dolores) lässt sich auch für Nadjas Musik trefflich verwenden. In der Spannung aus Konzentration und sich treiben lassen entsteht aus all den düsteren Elementen eine eigentlich schon zu schnöde Schönheit und man schreibt sich um Kopf und Kragen, wenn man sie zu erfassen versucht. Von love, peace und happiness, Versöhnung und Relativierung will hier ja wohl niemand etwas lesen. (Notiz an mich selber: häufiger mal wieder Godfleshs Merciless EP hören)

Über den Rest des Abends aka die Heimreise hüllen wir den Umhang des Schweigens. Nur so viel: ein Fahrkartenautomat und mein Fuß waren involviert.

Montag, Oktober 15, 2007

Ein "in" für ein "for"

Letztens hatte ich ja verbeitet, daß Nadja zwei neue Alben in der Pipeline hat, dabei ist mir leider ein Fehler unterlaufen. Das auf Crucial Blast erscheinende Album wird nicht Desire for Uneasiness sondern Desire in Uneasiness heißen. Der Unterschied ist zwar nicht groß, aber eben da. Wollte ich Euch nicht vorenthalten.

Mittwoch, September 19, 2007

Something has Happened to Nadja...

...and your guidance is needed. Ach nee, wir sind hier ja nicht bei Project Rockstar. So eben entnahm ich der Nadja-Homepage (Achtung! Neue URL, Update Your Bookmarks!), daß es demnächst zwei neue Veröffentlichungen geben wird. Zum einen Radiance of Shadows auf Alien8 Recordings, die uns auch schon Truth Becomes Death und das Touched-Reissue brachten, und zum anderen Desire for Uneasiness auf Crucial Blast, das schon für die Split-CD der beiden Avant-High-Tech-Metal-Spinner-Bands Behold...the Arctopus und Orthrelm sowie das - in eine ähnliche Kerbe hauende - Debüt-Album von Genghis Tron verantwortlicht zeichnete. Mehr, wenn es mehr zu berichten gibt. Ick freu mir, wa.

Freitag, August 24, 2007

Was macht eigentlich Nadja?

Fragte ich mich letztens. Neue Platten, Touren, irgendwas? Da ging bzw. geht einiges bei meiner Frühlingsliebe. Rumgejammer über die verpasste Europa-Tour erspar ich Euch und mir hier mal. Es gab eine Kollaboration mit der britischen Doom-Band Atavist, ihr wißt schon, die mit dem selbstbetitelten Album mit der gar lustigen Spielzeit von 66:06 Minuten. Das 12012291920/1414101 betitelte Album gefällt ganz gut, auch wenn es dem Nadjaschen Klangkosmos nicht wirklich irgendwas hinzufügt, da Doom eh schon einer der Stützpfeiler ihres Sounds ist. Atavist sind musikalisch, anders als humoristisch, sowieso untadelig und mehr sophisticated als ein Großteil ihres Genres.

Eine weitere Zusammenarbeit mit Datashock (als Aidan Baker, Leah Buckareff & Datashock) ist gerade erschienen bzw. erscheint demnächst und kann hier noch nicht gewürdigt werden, zum einen weil ich sie noch nicht gehört habe und zum zweiten weil ich Datashock nicht kenne und also auch nicht weiß wie man sich das vielleicht vorzustellen hat. Diese einseitig bespielte 12" ist wohl dem gemeinsamen Auftritt in der Oetinger Villa in Darmstadt geschuldet, aber mehr wenn gehört.

Außerdem erscheint demnächst die neue EP Guilted By The Sun, die dann wieder Nadja solo ist. Ferner ist mit verschiedenen Reissues zu rechnen, welche das genau sein werden, kann der geneigte Leser auf der Nadja-Site von Aidan Bakers Homepage nachlesen.

Mittwoch, Mai 02, 2007

Alles neu macht...

OK, bevor Ihr gleich schon am Anfang wegen Phrasendrescherei kotzt, hör ich hier einfach mal auf. Nach einem weiteren nicht gerade an Ereignissen armen Wochenende in Hamburg und einem Kurztrip nach Bonn, über die ich mich hier aber nicht weiter auslassen werde (ihr kennt das), mal ein kurzes Update aus dem Seelenleben eines Part-Time-Bloggers. Kurz und gut, es gibt eine neue Frau in meinem Leben! Sie heißt Nadja. Die wenigsten von Euch werden sie kennen. btw, Super-K bleibt natürlich meine speziell favorisierte Rugby-Dame! Nicht, daß es hier gleich Tränen gibt...

Nadja ist auch keine Person im eigentlichen Sinne oder nicht mehr nur eine Person, sondern Nadja ist zwei Leute, nämlich Aidan Baker und Leah Buckareff. Früher mal nur Aidan Baker, aber um Nadja auch live präsentieren zu können, nun also zwei. Also gut, Ihr wisst es ja eh schon, Nadja ist eine Band. Sie hat mich aber mit einer solchen Wucht erwischt, als wäre es eine neue Liebe. Ist ja auch Frühling. Nadja ist eben auch wie die erwachende Natur: langsam, düster, dröhnend, mit spärlichen, gefauchten/-keiften/-growlten Vocals. Also genau das richtige, wenn man vor lauter Sonnenstrahlen lieber den ganzen Tag nicht die Rollenläden hochzieht und sich zur schönsten Café- bzw. Park-Zeit lieber nochmal die Bettdecke über den Kopf zieht oder am besten eh erst aufsteht, wenn alle anderen die Parks und Biergärten Richtung Bett verlassen. Eben Frühlingsmusik! Man hört ungelenke Beschreibungen wie Shoegazer-Doom oder Ambient-Postrock-Doom um die Ecke kriechen. wtf, richtig ist das schon irgendwie alles. Denn Nadjas Tracks pendeln zwischen ganz leise und ganz laut, eben zwischen Ein-Ton-Ambient (bei gefühlten 3 bpm) und 10000-Tönen-Doom-Metal (gefühlte 5 bpm). Das Tempo ist also eher gering, aber die Zeiten wo Tempo gleich Intensität war sind ja zum Glück schon was länger vorbei (i.e. Minor Threats Auflösung 1983). Die Lieder sind wie ich sie mag lang, länger, am aller längsten. Bin mir nicht ganz sicher aber ich glaube, daß die auf Archive erschienene Ein-Song-Live-CD Thaumogenesis sogar noch Sleeps Dopesmoker um ne knappe Minute schlägt. Also ein Song konsequent über die Einstundengrenze gekloppt. Sehr gut das.

Für den Einstieg empfiehlt sich Thaumogenesis jetzt nicht wirklich, ist halt eher die Kür, aber sehr gute Einstiegswerke sind das Album Truth Becomes Death und das wiederveröffentlichte Album Touched (beide auf Alien8 Recordings, und entsprechend unkompliziert in Europa zu bekommen - z.B. bei Flight13).

Bei Archive klingelt doch was bei den wenigen, aber immer bestens informierten buzzer-online-LeserInnen. Genau, Gaping Maw, LSD March etc., bei jenem Label erschien auch vor kurzem eine Live-Split-2x3''CD von Death Unit und Prurient mit dem Titel Terminal Cases. Prurient kann man halt irgendwie vernachlässigen, klar die Mischung aus Drone und Noise ist nicht völlig doof. wenn ich so was will, höre ich halt Wolf Eyes. Death Unit hingegen können da schon einiges mehr. Die Band um Carlos Giffoni, No Fun Fest-Gründer und Noise-Hans-Dampf-in-allen-Gassen, hat diese Band aus Sunburned Hand of the Man-, Cold Bleak Heat-, Mouthus- und Hair Police-Musikern geformt. Die Band trifft sich wohl immer erst kurz vor dem Auftritt und improvisiert dann halt die ihr zugestandene Spielzeit über bzw. trifft sich für einen Tag im Studio und spielt einen Haufen Zeugs ein, aus dem dann am Ende ein Album entsteht. (die Beschreibung der Arbeitsweise kann man hier in einem Interview mit Brian Sullivan von Mouthus nachlesen) Death Unit machen auf ihrem Teil des Albums also das was sie immer machen, mit zwei Schlagzeugern, einem Gitarristen und einem Mann an den Electronics an der Grenze von Free Jazz, Noise, Drone, Electro und Rock herumzuwurschteln, und das klingt super. Übrigens auch auf den Studioalben Only Death is Certain und Infinite Death.

So viel erst mal aus dem beschädigten Leben called Popmusik. Demnächst geht's dann hier martialisch kämpfend weiter oder eben doch ganz anders...